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Francisco Tárrega (1852-1909)

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Wer war Francisco Tárrega? Von vielen gehuldigt und verehrt und von anderen schelmisch verspottet und belächelt. Verloren und missverstanden von dem sensationslüsternen Publikum seiner Zeit führt sein Weg immer tiefer in die Gitarre hinein. Ein Leben in Armut und Demut aufopferungsvoll in Kauf genommen für die leidenschaftliche Hingabe seiner Liebe an die Gitarre.

Francisco Tárrega hat sich sein Leben lang mit dem Klang der Gitarre auseinandergesetzt und stetig versucht ihn zu verbessern. Seine Arbeit war immer nach innen gerichtet und er hat bewusst versucht die Seele des Instruments hervorzubringen.

Er hat als Gitarrist sehr viel geleistet. Mit seinen Originalwerken und Transkriptionen versuchte er die Gitarre aus ihrer Außenseiterrolle zu befreien und sie auf die gleiche Stufe des Klaviers und den Orchesterinstrumente zu stellen.

Seine größte Errungenschaft für die Gitarristik ist in der Technik seines Anschlages zu sehen, die maßgebend für alle folgenden Gitarristen waren die nach ihm kamen und sich als neue Grundhaltung der spanischen Spielweise etablierte.

Biographie

Francisco Tárrega Eixea wurde am 21.11.1852 in Villareal de los Infantes, einem kleinen spanischen Dorf nahe Valencia geboren.

Das Leben des jungen Tárregas spielt sich hauptsächlich in den Straßen ab, wo er auch das erste Mal mit der Gitarre in Kontakt kam und Unterricht bei Manuel González einem Café – und Straßenmusiker erhielt, den man überall nur unter dem Namen, der „Blinde vom Hafen“ kannte. Von ihm durfte er sich die ersten Grundlagen des Gitarrenspiels abschauen.

Des Weiteren erhielt er Ratschläge von Julian Arcas, der in den 60er Jahren des 19. Jh. als Gitarrist bereits auf seinem Höhepunkt war. Er führte Tárrega an die Gitarrenschule von Dionisio Aguado heran, das einzige zur Verfügung stehende Gitarrenlehrwerk jener Zeit.

1862 erhielt er Unterricht bei Eugenio Ruiz von dem er die Grundlagen im Notenlesen, Rhythmik und Vomblattsingen erlernte, bevor er auf Drängen seines Vaters 1874 am Königlichen Konservatorium von Madrid im Klavier unterrichtet wurde das ihm sein Lebensunterhalt besser sichern sollte als die Gitarre.

Das Klavierstudium, das er nur dem Vater und der Musik zu Liebe verfolgte, war nur eine Notwendigkeit. Sein Eifer und seine Leidenschaft galten der Gitarre. So kam es auch, dass ihm sein musikalischer Durchbruch mit der Gitarre gelang und nicht mit dem Klavier.

Es dauerte auch nicht lange bis er durch Konzerte im In- und Ausland Erfolge feiern konnte. Die Gitarre verhalf ihm zu großem Ruhm, brachte aber auch finanzielle Schwierigkeiten mit sich, weil sie nicht denselben Stellenwert hatte wie z. B. ein Orchesterinstrument. Die Gitarre wurde eher zur Außenseiterrolle degradiert. 1880 wird er in Zeitungen als außergewöhnlicher Gitarrist gewürdigt und dabei konnte er sich zum Leben gerade mal nur das notwendigste leisten.

Ein Grund dafür, kann man im damaligen Musikgeschmack des 19. Jh. finden, denn das Publikum ließ sich weitestgehend nur durch technische Spielereinen beeindrucken, besser gesagt „blenden“, und die Komposition trat dabei eher in den Hintergrund. Tárrega hingegen stellte die Komposition in den Vordergrund und verzichtete auf Spielereien, er stellte sich und die spielerische Virtuosität sogar noch hinter den Klang des Instrumentes zurück.

Solche Interpretationen fanden beim Publikum jedoch keinen rechten Anklang, Tárrega fühlte sich unverstanden und wendete sich immer mehr von großen öffentlichen Konzerten ab. Ab 1899 dienten sie nicht mehr dem Ruf oder Aufstieg, sondern waren eher eine Notwendigkeit um Geld zu verdienen.

Francisco Tárrega starb am 15. Dezember 1909 im Alter von 56 Jahren infolge eines Gehirnschlags.


Tárregas Hinterlassenschaften


das Kuppenspiel

In seinen Anfangsjahren lag sein Bemühen im Beherrschen der vorliegenden Techniken von Aguado. Sein außergewöhnliches Gefühl für die Gitarre führte ihn sehr schnell zu herausragenden technischen Fertigkeiten die das Publikum beeindruckte und ihm zu schnellem Ruhm verhalf.

Aber durch seinen Wunsch den Gitarrenton stetig zu verbessern, führte ihn letztendlich dazu seinen Anschlag zu überdenken und vom Nagel- zum Kuppenspiel überzugehen. Der Ton mit den Nägeln war ihm zu metallisch und durch den Anschlag mit der Kuppe erklang für ihn der Ton den er schon lange in seinem Innern hörte.

Bei den meisten traf er mit dieser Umstellung auf Unverständnis, nicht einmal seine Schüler verstanden diese Maßnahme und so entwickelten sich verschiedenste Gerüchte um die Gründe warum er sich die Nägel abschnitt. Es wird behauptet, dass seine Nägel im Alter so brüchig wurden, dass er dazu gezwungen war sie abzuschneiden. Andere Quellen berichten, dass einer seiner Nägel abbrach, während er die Gitarre spielte und ihm der Klang ohne Nagel besser gefiel. Die Gründe sind umstritten, aber nichts desto trotz, waren Sor, Tárrega und Pujol mit die drei bedeutendsten Gitarristen der letzten 200 Jahre und alle waren sie Kuppenspieler.

Tárrega fand durch den Kuppenanschlag nicht nur Vorteile in der Klangfarbe, er bemerkte auch, dass der größte Umfang eines Tones nicht mehr direkt nach dem loslassen der Saite entsteht, sondern seinen Höhepunkt erst nach einem kurzen Anstieg nach dem Anschlag erreicht. D.h., dass man mit dem Kuppenanschlag an Sustain gewinnt.

Originalkompositionen

Große Verwirrung herrscht über den Umfang seiner Originalkompositionen und es werden ihm fälschlicherweise 300 Werke an Originale zugesprochen.

Domingo Prat hat 1934 erstmals versucht Licht ins Dunkle zu bringen und kam bei seiner Bestandsaufnahme auf eine Anzahl von 34 Werken die Tárrega als Autor tragen.

Tárregas Werke sind auf Einflüsse der Romantik und der spanischen Volkmusik zurückzuführen. Seine musikalischen Ideen hingegen kommen aus dem Instrument heraus und sind dem Charakter der Gitarre entnommen. Er schaffte es wie kein anderer Komponist seiner Zeit die Eigenheiten der Gitarrenseele darzustellen.

Transkriptionen

Eine Transkription ist die Übertragung eines Werkes für ein anderes Instrument bei der man die Vorlage weitestgehend beibehält.

Durch sein Klavierstudium hatte Tárrega große Mengen an Literatur der Klassik und der Romantik kennen gelernt und für die Gitarre übertragen. Mehr als 200 Übertragungen werden ihm heute zugesprochen, darunter waren Werke von Beethoven, Chopin, Hyden, Schubert, Bach, Händel, Schumann und Mozart. Sein Drang dazu kam daher, dem Instrument zu mehr Ansehen zu verhelfen und sie aus der Außenseiterrolle herauszuführen. Er hat versucht sie auf die gleiche Stufe wie das Klavier und die Orchesterinstrumente zu stellen.

Aus diesem Grund sind die Kompositionen von Johann Sebastian Bach, heute auch die am häufigsten gespielten Gitarrenstücke, obwohl er kein einziges Werk für die Gitarre geschrieben hat.

Die Tárrega- Technik

Ein wesentlicher Aspekt in der Entwicklung seiner Gitarrentechnik, ist in der Verwendung seiner Torres-Gitarre zu sehen. Da bis zu dieser Zeit nur Gitarren mit kleineren Korpera gebaut wurden, waren die bereits existierenden Gitarrenlehrwerke hinfällig. Er musste sich mit diesem größeren Korpusmodell neu aranchieren und zu aller erst eine neue Grundhaltung finden.

Das Auflegen der Gitarrentaille auf den linken Oberschenkel der durch eine Fußbank angehoben wurde, war vorher in Spanien keineswegs üblich. Tárrega machte diese Sitzweise im Laufe seines Lebens zur so genannten „Schulhaltung“.

Bei der Verwendung der rechten Hand, hat sich Tárrega in jüngeren Jahren ganz und gar auf die Schule Aguados gestützt. Im Laufe der Zeit hat er sich jedoch von der Technik seines Vorbildes entfernt und sich seinen eigenen Weg gesucht. Er wanderte mit dem Anschlagspunkt weg vom Steg, näher zum Schallloch hin. Des Weiteren integrierte er den Apoyando-Anschlag, ein Wechselschlag zwischen Zeige- und Mittelfinger.

Diese Technik wurde nicht, wie fälschlicher Weise angenommen, vom Flamenco übernommen, sondern ist eine Entwicklung der Konzertgitarristen und Tárrega hat diese Technik für alle künftigen Gitarristen etabliert.

Tárrega entwickelte eine Haltung der rechten Hand, die vorerst noch auf das Nagelspiel abgestimmt war. Gepaart mit dem Apoyando-Anschlag erreichte man mehr Kraft in den Fingern für den Anschlag. Diese Haltung sollte sich als Kennzeichen der neuen spanischen Spielweise etablieren. Doch Tárrega blieb auf dieser Stufe nicht stehen. Beim Übergang zum Kuppenanschlag musste er seine Haltung wieder leicht verändern, das ihm den Vorteil eines singenderen, kräftigeren Ton mit mehr Sustain brachte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass seine eingeführte Schulhaltung, der Anschlag in der Schallochnähe, der Wechsel zum Kuppenspiel und der integrierten Apoyando-Anschlag das eigentliche Vermächtnis Tárregas ist und den eigentlichen Mittelpunkt seiner Technik darstellt.





Quelle: Wolf Moser - Francisco Tárrega (Werden und Wirken)
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